Zweierlei Maß

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung fragte sich Arbeitsgerichtspräsidentin Ingrid Schmidt zum Thema der sogenannten „Bagatellkündigungen“: „Wie kommt man eigentlich dazu, ungefragt Maultaschen mitzunehmen? Oder eine Klorolle, oder stapelweise Papier aus dem Büro? Warum solche Eigenmächtigkeiten? Das hat was mit fehlendem Anstand, aber auch mit unerfüllten Erwartungen zu tun.“

Meine Ansichten dazu habe ich bereits zuvor in einem Artikel dargelegt und kann mich nur über die Lebenswirklichkeit der Frau Arbeitsgerichtspräsidentin wundern. Dabei hätte Ihr die im Interview gestellte Frage „Wird nicht die Würde des Menschen verletzt, wenn wegen – sagen wir – 2,39 Euro seine Lebensleistung nichts mehr gilt?“ doch durchaus vor einer derart peinlichen Pauschalisierung bewahren können.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang noch die Verknüpfung mit den jüngsten Banken- und Managerskandalen die anderswo gezogen wird: „man solle nicht mit zweierlei Maß messen. Hier die “normalen” Arbeitnehmer, die für vergleichsweise kleine Vergehen fristlos gekündigt werden und dort die Manager, denen wirklich Schlimmes zur Last gelegt werden müsste und die mit einem so genannten “goldenen Handschlag”, also einer großen finanziellen Abfindung, nach Hause geschickt werden.“ Auch, wenn ich dem weiteren Text nicht komplett folgen kann und das genannte Zitat auf den ersten Blick nach simplen Managerbashing aussieht, finde ich diese Frage dennoch gerechtfertigt. Denn im Wesentlichen geht es um eines, nämlich Verhältnismäßigkeit. Es ist also wenig verwunderlich, dass derartige Äußerungen eine Steilvorlage für öffentliche Empörung geben.

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