Das (politische) Blog als Medium

In diesem Blog habe ich mich entschlossen, sporadisch über aktuelle politische Ereignisse zu berichten und eine Meinung zur Diskussion anzubieten. Abgesehen davon, dass dieses Blog in seiner Leserzahl und auch in der verfügbaren Zeit des Autors eingeschränkt ist, sind mir einige prinzipielle Grenzen aufgefallen, die möglicherweise auch andere Blogs teilen. Beim Lesen meiner bisherigen Beiträge ist mir insbesondere zweierlei aufgefallen:

Die Aufmerksamkeitsschwelle bei Blogs ist begrenzt:

Blog-Einträge genießen ihrer Natur nach meist nur eine recht kurzzeitige Aufmerksamkeit. Nur wenige lesen gerade in politischen Blogs die Beiträge aus dem letzten Jahr. Bei tagesaktuellen Fragen ist das sicher zu verschmerzen, denn die Welt dreht sich weiter und bei Bedarf kann man immer wieder auf alte Themen verlinken, wenn sich ein erneuter Bezug zu ihnen gibt. Jedoch werden in vielen Artikel durchaus auch wichtige Grundsatzfragen berührt, deren Aktualität wesentlich länger bestehen bleibt als die Aufmerksamkeit für den darüber handelnden Blogartikel.

Blogartikel haben oft geringeren Tiefgang:

Wenn ich einen Blogartikel aufgreife, reagiere ich zumeist auf Schlüsselereignisse, die ich darstelle und kurz kommentiere. Damit habe ich meiner Meinung die Hauptarbeit eines Blogs geleistet: Blogs dienen in erster Linie dazu, vorhandene Informationen weiterzuverbreiten, eigene Interpretationen anzubieten und ein Diskussionsangebot an die Leser zu machen.
Um dieses Angebot zu leisten, habe ich, wie viele andere Blogs einige inhaltliche Einschränkungen, die das Medium hat, in Kauf genommen:

  • Aktualität
  • Im wesentlichen greife ich aktuelle politische Ereignisse auf und versuche, diese möglichst zeitnah zu präsentieren. Auch, wenn mir natürlich niemand verbietet, auch über andere Ereignisse zu schreiben, ist dadurch, dass ich diesem Mechanismus folge, meine Themenwahl faktisch eingeschränkt. Ich glaube, dass dies auch dem Medium Blog geschuldet ist, welches eher ein aktuelles Mediums ist.

  • Witz
  • Um gelesen zu werden, muss man etwas Interessantes anzubieten haben. Das pure Weiterbreiten einer Information ist schön und gut, aber wenn man etwas neues beitragen möchte, reicht das nicht aus. Ich habe also meine eigenen Kommentare hinzugefügt, um Ereignisse zu bewerten. Dabei habe ich mich oft einer ironischen, teilweise polemischen Argumentation bedient. Das will ich auch weiter so machen, weil ich persönlich meine Artikel dadurch unterhaltsamer und lesenswerter finde und der der Schreibstil geignet ist, einen Denkanstoß zu geben und eine Diskussion zu initieren. Wenn allerdings die Reflektion oder die Diskussion unter den Lesern ausbleibt, ist dies eine einseitige Darstellung.

  • Analysefreiheit
  • Viele Blogeinträge berichten und kommentieren, liefern aber keine konkreten Lösungen. Oder verbleiben, wenn es Lösungen gibt, bei Parolen und Forderungen, die auf den ersten Blick konsequent erscheinen. Allerdings werden diese selten hinterfragt oder gar darüber nachgedacht, wie die Forderungen konkret umzusetzen sind und welche Folgen das hätte.

  • Kurzfassung
  • Die Lesbarkeit eines Blogs ist eine wichtige Angelegenheit, denn ein Blog, das nicht gelesen wird, wird wenig bewirken können. Lange Artikel wirken oft abschreckend auf den potentiellen Leser und so sind die wenigsten Blogbeiträge länger als der Inhalt einer DIN A4 Seite.
    Innerhalb dieses Rahmens läßt sich aber kaum ein Thema erschöpfend darstellen. Selbst wenn man eine Analyse eines Themas vornimmt, wird man nur einen Teilbereich herausgreifen können und auch hier nicht alle Aspekte darstellen können. An eine tiefere Einordnung in den übergeordneten Gesamt zusammenhang ist da gar nicht zu denken. Für mich als Blogger kommt zusätzlich hinzu, dass wegen der oben behaupteten Aufmerksamkeitsschwelle das Schreiben längerer und aufwändigerern Artikel nicht übermäßig „lohnenswert“ erscheint. Insgesamt bin ich im Endeffekt sparsam mit längeren Artikeln.

Unbewusst waren mir diese Einschränken bislang durchaus bewusst, aber derart aufgeschrieben zeigt es mir, dass sich Blogs zumindest in einem Punkt nicht so sehr von den klassischen Printmedien unterscheiden: „Nichts ist so alt, wie der Blogartikel von gestern“.
Immerhin sind Blogartikel im Medium Internet auch später noch auffindbar und einige wenige werden auch noch Tage später kommentiert. Aber ich habe die, eigentlich wenig überraschende, Vermutung, dass die wenigsten Blogartikel noch weit nach ihrer Veröffentlichung gelesen werden.

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