Ist Markus Beckedahl ein Netzexperte?

Als internetaffiner und politisch interessierter Mensch habe ich wie so viele andere auch das Blog netzpolitik.org abonniert. Doch eigentlich frage ich mich: Warum eigentlich?

Wörter zählen

Der Grund der Frage und zugleich die Antwort findet sich in dem Post über die Ablehnung des unsäglichen JMStV. Dort schreibt Markus Beckedahl: „Vorausgegangen war eine langwierige und etwas langweilige Debatte, wo die Wörter Netzgemeinde und Blogs ziemlich oft gefallen sind. Wir haben aber mangels ruckelfreiem Stream die jeweilige Wortnennungsanzahl nicht zählen können.“ und davor als Einleitung: „Keine neue News, weil wir das gestern schon gebloggt hatten“.

Gastbeiträge und Co-Autoren

Während Markus Beckedahl also keine News verbreitet und noch Wörter zählen will, haben andere die News schon gebracht. In dem Fall Jörg-Olaf Schäfers, der das ebenfalls für netzpolitik.org geschrieben hat. Und das ist auch tatsächlich der Grund, weshalb ich netzpolitik.org wohl auch weiter lesen werde, die Artikel der anderen Autoren wie Schäfers oder Linus Neumann. Ich war bereits vorher mal kurz davor, netzpolitik.org einfach wegen Belanglosigkeit abzustellen, aber die dann vermehrten Gastbeiträge und Co-Autoren haben mich davon abgehalten.

Information? Welche Information?

Was mich an den Artikeln von Markus Beckedahl stört, ist ihr Aufbau, der im Wesentlichen daraus zu bestehen scheint, eine kurze Einleitung zu geben, um dann ein Video oder ein Zitat anzuhängen, das wesentlich länger ist als die Eigenleistung. In den letzten Artikeln gibt es dafür zahlreiche Beispiele (und das ist nicht wirklich eine spezielle Auswahl):

Kurt Beck kündigt Sperrverfügungen an
4chan: Wo die wilden Kerle wüten
Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks (Update)
Toll: Der neue Perso
SpOn: Was WikiLeaks mit Internetsperren zu tun hat
Don’t Mess with that CSS (feat. B-Rad)

Was ist ein „Netzexperte“?

Das ist soweit ja noch nicht mal schlecht, denn nicht viel anders tut es etwa fefe in seinem Blog und es muss ja nicht jeder so hintergründig und recherchefreudig sein, wie etwa der Spiegelfechter. Aber während fefe für mich immer wieder interessante Sachverhalte und Quellen herausstellt, habe ich bei den Beckedahl-Artikeln meist das Gefühl, das gleiche auch schon auf SPON, heise oder der taz gelesen zu haben. Dazu kommt, dass ich bei Markus Beckedahl immer wieder den Eindruck habe, dass er für einen „Netzexperten“ viel zu wenig Ahnung von technischen Zusammenhängen hat.

Die einzigen wirklichen News, die ich anderswo nicht finde, sind die immer wieder auftauchenden Artikel mit Hinweisen und Videos, zu Interviews, die er selber gegeben hat. Auch diese Interviews strotzen in meinen Augen vor Nichtssagen und Gemeinplätzen und sind schwer bis zum Ende zu ertragen. Mein „Netzexperte“ ist Markus Beckedahl jedenfalls nicht.

Würdigung

Nichtsdestotrotz muss auch ich die Gesamtleistung von Markus Beckedahl anerkennen. Er hat sich für Netzpolitik stark gemacht als die meisten noch nicht einmal wußten, dass man sich dafür interessieren könnte. Mit seinem Blog hat er eine Diskussionsplattform und Informationsplattform geschaffen, die viele Netzinteressierte zusammenbringt und die auf Aktionen hinweist und zu ihnen aufruft. Ich bewundere Markus Beckedahl dafür und bin ihm dankbar für all das. Doch ich sehe ihn eher als Organisator, denn als Netzexperte oder Artikelschreiber. Und als Organisator ist er wirklich gut und verdient meinen Respekt. Reden und Schreiben lassen aber sollte er lieber andere. Zumindest soweit ich das ohne Blick hinter die Kulissen beurteilen kann. Ich bin ja schließlich auch kein Netzexperte…

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2 Antworten

  1. Tim sagt:

    Ähm, und warum zur Hölle kloppst du den Text hier raus? Dessen Informationsgehalt surreal gegen Null tendiert (Zusammenfassung: Der Beckedahl ist voll doof. Voll gemein, dass der die ganze Aufmerksamkeit bekommt und nicht ich).

  2. Aerar sagt:

    Nein, der Beckedahl ist nicht voll doof – vielleicht hätte ich meine Zusammenfassung nicht „Würdigung“ sondern „Zusammenfassung“ nennen sollen. Aber du hast insofern recht, als es an einer Zielaussage mangelt, die ich allerdings auch nicht setzen wollte. Diese wäre in etwa:

    1. Sind Gallionsfiguren (wo auch immer) prädestiniert, Experten, Sprecher und Organisatoren zu sein und können sie das überhaupt leisten oder wäre Arbeitsteilung manchmal nicht günstiger? (Zugegeben, das ist eine Frage, aber eine Zielvorstellung kann man daraus ja vielleicht ableiten)
    2. Da geht noch mehr in der Netzpolitik. Ich wünschte, es würden sich noch mehr Neumanns und Schäfers zu Wort melden und nicht glauben, dass bereits alles gesagt wurde.
    3. Quasi sich aus 1 und 2 ergebend: „Voll gemein, dass der die ganze Aufmerksamkeit bekommt“. Auch, wenn ich’s so nicht ausgedrückt hätte. Aber die Fokussierung auf ein oder wenige Blogs läßt viele andere Informationen wegfallen. Diese sollte man dann schon auf diesen Leuchtturmseiten erwähnen, um dem Thema gerecht zu werden und nicht Platitüden. Ich denke die Aufmerksamkeit ist auch eine Verantwortung, der viele Artikel bei Netzpolitik nicht nachkommen. Da dies natürlich auch sehr viel verlangt ist, von einem Blog, richtet sich der Appell genauso an die Leser, mal über den Tellerrand hinauszuschauen.

    Und abschließend: „und nicht ich“ ist eine naheliegende aber gemeine Unterstellung. Da will ich wenn möglich gar nicht weiter drauf eingehen, aber drauf hinweisen wollte ich schon.

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