Arabische Freunde

In den letzten Wochen erhebt sich die Bevölkerung in vielen arabischen Ländern, um ihre langjährigen Machthaber zu vertreiben. Diese Aufstände sind zumeist getragen von der Jugend in diesen Ländern, die sich gegen Unterdrückung aber auch gegen wirtschaftliche Chancenlosigkeit erhoben hat und dabei ihr eigenes Leben riskiert oder riskiert hat.

Die Bundesrepublik und die anderen europäischen Staaten sind wie letztlich auch ihre Bürger von diesen Ereignissen überrascht worden. Während die Bürger, selbst in Amerika, rasch überwiegend Sympathien für die zumeist friedlichen und nach Freiheit suchenden Demonstranten entwickelten, verhielten sich ihre Regierungen weitgehend zurückhaltend und konnten sich im Wesentlichen nur zu dem selbstverständlichen Aufruf durchringen, nicht mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorzugehen. Dieses Verhalten ist zum gewissen Teil verständlich, denn zum einen steht es einem Staat nicht gut an, sich ungefragt in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Eine Scheu, die insbesondere die USA (und damit dann auch ihre Verbündeten) allerdings bei vielen Staaten mit vorgeschobenen Argumenten in der Vergangenheit oft haben vermissen lassen. Denn letztlich geht es auch den selbsternannten Hütern der Freiheit am Ende um ihre eigenen Interessen.

Diese Interessen sind es auch, die bei den Regierungen keine ungeteilte Freude über die Welle der Revolutionen in den arabischen Ländern aufkommen lassen. Denn die vertreibenen Machthaber waren zumeist politische Freunde. Natürlich waren sie selten wirkliche Freunde, aber man hat sich mit ihnen arrangiert und diese Machthaber haben eine weitgehend stabile politische Lage garantiert. Nun allerdings ist diese künstliche Stabilität verloren und die Staaten jenseits des Mittelmeer, quasi an der Grenze zu Europa, sind plötzlich unbekannte Faktoren geworden. Und derzeit begegnet man ihnen mit Angst und mit Mißtrauen. Man hegt die Angst vor kommenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die auf Europa zurückfallen können und man hegt die Angst vor einer Ausbreitung des Islamismus in diesen Ländern. In diesem Fall handelt es sich nicht um die auf Deutschland beschränkte „German Angst“, sondern beinahe alle Staaten sind von ihr betroffen.

Doch genau jetzt und in den nächsten Monaten wäre die Zeit zu handeln und den Menschen in den arabischen Staaten die Hand zu reichen. Denn es sind viele, wenn nicht sogar überwiegend. weltoffene und junge Menschen, die den meisten westlichen Werten eher positiv gegenüber stehen. Allerdings muss der Westen diese Werte auch beweisen. Er muss beweisen, dass er es ernst meint mit Demokratie, selbst wenn diese Demokratie möglicher arabischen Einschlag bekommen sollte. Er muss die Interessen dieser Länder respektieren und ihnen Hilfe und Freundschaft anbieten, sofern diese gewollt ist. Die Chancen, die derzeit herrschen, sind auf banale technische Weise ausgedrückt ein Ring befreundeter arabischer Staaten an der Südgrenze Europas, die auch ein Bollwerk gegen den Islamismus sein können. Wenn man bedenkt wie die westlichen Zivilisationen Billionen (!) von Dollar direkt oder indirekt im Krieg gegen den Terror verschwenden, ist dieser Vorteil beinahe unbezahlbar. Von moralischen und ethischen Werten ist dabei noch geschwiegen, da diese häufig nur mittelbar staatliches Handeln beeinflussen.

Sicher besteht durch den Wegfall der Diktaturen auch die hohe Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Einflusses des Islams in diesen Ländern und damit leider auch indirekt die Gefahr eines stärkeren Islamismus. Dabei ist jedoch deutlich zu sagen, dass der Islamismus lediglich eine Perversion des islamischen Glaubens ist, wie etwa pädophile Priester eine Perversion des christlichen Glaubens sind. Doch selbst, wer nicht davon abkommt, bereits den Islam als Bedrohung zu sehen, muss gewahr sein, das sich dessen Ausbreitung nach dem Wegfall der Unterdrückung eine logische Folge ist, die unabhängig und ohnehin passieren wird. Wenn die westlichen Länder jedoch weiter auf deutlichem Abstand bleiben und nicht bald eine deutliche Position beziehen, dann wird jegliche zukünftige Entwicklung komplett ablaufen, ohne dass sie sie beinflussen können. Das Resultat wird dann unter Umständen sein, dass eine ablehnende Haltung des Westens am Ende genau diese Ablehnung, Distanziertheit oder gar Feindseligkeit hervorruft, vor der sich der Westen jetzt fürchtet.

Darum ist es jetzt Zeit zu handeln. Notfalls muss die Bundesregierung einen politischen Alleingang wagen, falls die Abstimmung mit ihren westlichen Partnern zu langwierig oder zu kontrovers sein sollte. Für eine ehrliche Sympathiebekundung muss man sich nicht zuvor ausgiebig mit seinen Freunden beraten und sich bei ihnen rückversichern.

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