kino.to, Copyright und Urheberrechte

In diesem Artikel möchte ich meine Meinung zum Thema Copyright, DRM und Urheberrechten darlegen, weil dieses Thema viele Menschen direkt betrifft und gerade durch die Schließung des Portals „kino.to“ wieder für Aufruhr sorgt.

Schutz von geistigem Eigentum

Den Schutz von geistigem Eigentum halte ich prinzipiell für gut und richtig. Eine „Opensource“-Lösung von Gedanken und Ideen finde ich prinzipiell interessant, weil dann viele rechtliche Fragen und Verwaltungsmethoden, wie etwa Patente, wegfallen können. Der freie Austausch und die freie Verfügbarkeit von Ideen, statt sie zu beschränken, würde ihre Verbreitung und damit ihren Nutzen und ihre Weiterentwicklung massiv befördern und die Menschheit letztlich zum Wohle Aller voranbringen.

Dennoch bin ich für den Schutz von geistigem Eigentum, weil ich glaube, dass ein Großteil der Denker und Ideengeber diesen Schutz als Garantie für die Verwertung ihrer Werke benötigen. Wenn Denken und Ideen nicht mehr bezahlt werden, werden sich alle die meisten professionellen Denker wohl davon verabschieden und die Zahl der Ideengeber schrumpft auf die Hobby-Theoretiker und Idealisten zusammen. Es muss in meinen Augen also ein Vergütungssystem für Ideen und Innovation geben und der Schutz von geistigem Eigentum bietet, bei all seinen Mängeln, ein solches System.

Darüber hinaus ist das Leistungsschutzrecht ja kein ausschließendes System.  Jedem Inhaber von Rechten an geistigem Eigntum steht es trotzdem frei, seine Erkenntnisse durch öffentliche Lizenzen und Copyleft der Allgemeinheit frei verfügbar zu machen.

Auf Content verzichten

Die Proteste gegen die Schließung des Portals „kino.to“ kann ich daher im ersten Ansatz überhaupt gar nicht verstehen. Hier wird zum einen auf „Hollywood-Dreck“ geschimpft, weil man sich eben genau deren Produkte nicht kostenlos ansehen kann. Aber man muss es eben auch nicht. Wenn ein Filmstudio oder ein Plattenlabel ein Produkt herstellt und finanziert und dann zu einem subjektiv überhöhten Preis anbietet, nur um damit möglicherweise Milliardengewinne zu erzielen, dann ist das OK. Denn es gibt ein ganz einfaches Mittel dagegen: Ich muss es nicht kaufen.

Und ich darf es nicht klauen. Auch, wenn es „nichts kostet“. Der Rechteinhaber hat seinen Willen eindeutig kommuniziert und es gibt derzeit kein nachvollziehbares Recht, sich darüber hinwegzusetzen, sofern man nicht ein Anhänger des sozialistischen „Eigentum ist Diebstahl“ ist. Das Geschäftsmodell der Anbieter besteht eben genau darin, eine immaterielle Idee zu produzieren und deren Vervielfältigungen zu verkaufen.

Und auch „dass es anders besser wäre“, „Bands über Youtube berühmt geworden sind und nun tierisch viel Geld mit Live-Auftritten verdienen“ und „DRM-Mechanismen nur Nutzer gängeln“ sind keine Gründe. Wenn es so wäre, würde sich das Problem rasch von selbst erledigen, denn niemand würde professionelle Inhalteanbieter brauchen, da niemand deren Produkte haben will. Das Problem ist aber, dass es doch viele gibt, die den neuesten Film sehen und das aktuelle Album hören wollen. Und da heißt es dann kaufen – oder eben nicht kaufen, aber dann auch nicht klauen.

Unverzichtbarer Content

Ein wirkliches Problem sind Eigentumsrechte jedoch dann, wenn sie unverzichtbaren Content bieten oder eigentlich frei verfügbares Wissen künstlich beschränken. Letzteres geschieht zum Beispiel oft bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die durch staatlcihe Gelder gefördert und an staatlichen Universitäten entwickelt werden, um dann in Fachmagazinen veröffentlicht zu werden, die dann einen Großteil der Nutzungsrechte an diesen Arbeiten erwerben.

Ein anderes Problem, und darauf hat Richard Stallmann hingewiesen, ist dass Rechte an geistigem Eigentum auch Kontrolle bedeuten. So können Werke durch DRM-Maßnahmen eingeschränkt oder nur personalisiert verbreitet werden oder ihre Verbreitung ganz unterdrückt werden. Es gibt große Konzerne und Verlage, die sich im großen Stil die Rechte an Schriften, Fotos und anderen Werken sichern, die sie gar nicht selbst produziert oder initiiert haben. Auf diese Weise wird Allgemeinkultur und Allgemeinwissen auf gefährliche Weise in den Händen weniger gebündelt. Diese Entwicklung ist eine gefährliche Entwicklung, da sie die Inhalte des vorigen Absatzes „Auf Content verzichten“ relativiert: denn was ist, wenn es keine vergleichbaren Alternativen mehr gibt, bei Inhalten, auf die ich nicht verzichten kann?

Solange die „Content-Mafia“ diese Inhalte mit ihrem eigenen Geld selbst produziert, greifen für mich die Argumente zum „Schutz des geistigen Eigentums“ aus dem ersten Absatz: ohne diese Produzenten gäbe es die Inhalte überhaupt gar nicht, was ein noch schlechterer Zustand wäre, als ihre Beschränkung (die Kontrolle über personenbezogene Daten beim Erwerb ausgenommen, doch diese ist als Randthema nicht obligatorisch). Wenn jedoch Rechte an etwas erworben werden, an etwas was letztlich von der Allgemeinheit hergestellt wurde (wie zum Beispiel Lehrpläne von Schulen, wissenschaftliche Forschungsergebnisse), so denke ich dass es hier nötig ist, die Praxis zu beenden, diese Rechte überhaupt zu vergeben. Bei den „von privat“ erworbenen Rechten wird es möglicherweise mit einer Monopol-Kontrolle enden müssen.

Fazit

Der Schrei gegen die „Content-Mafia“ richtet sich in den meisten Fällen gegen das falsche Ziel. Es ist durchaus legitim, geistiges Eigentum zu produzieren, mit dem Ziel es (auch zu teuer) zu verkaufen. Solange sich Käufer finden, macht dieses System einen Sinn. Es ist nicht korrekt, gegen den Willen des Produzenten illegale Kopien anzufertigen, völlig egal, ob man glaubt, dass dadurch ein Schaden entsteht oder nicht.

Der Schutz von geistigem Eigentum führt zu großer Beschränkung und hemmt die geistige und damit indirekt die materielle Entwicklung. Jedoch basiert das derzeitige Entlohnungssystem auf diesem Schutz und ohne Entlohnung würde die Produktion von Ideen massiv einbrechen.

Dennoch birgt der Schutz von geistigem Eigentum auch Gefahren und in meinen Augen unakzeptierbare Folgen. Dies ist der Fall, wenn es um Kontrolle von oder Einflussnahme auf die Nutzer geht oder wenn Allgemeinwissen künstlich mit Rechten belegt wird.

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