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Der Gemeinplatz der Politik

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Zinsgrenzen

20 August, 2012 (12:54) | Finanzen | By: Aerar

Gestern hatte ich ja bereits zu der Frage einer kritischen Zinsgrenze geschrieben, ab der ein Land angeblich unterstützt werden muss, um nicht pleite zu gehen. Wie willkürlich und ohne Grundlagenwissen solche finanziellen Grenzen gesetzt werden, wird auch im Artikel von Wolfgang Münchau deutlich (und zeigt nebenher, dass die SpOn-Kolumnen besser werden, wenn sie versuchen, Fakten zu berichten und keine Wertungen zu konstruieren – sic).

Die erschreckende Erkenntnis ist, dass man anscheinend gar nichts sicher weiß im Finanzwesen, sondern mit Erfahrungswerten hantiert, bei denen es für jeden Fall Beispiele und Gegenbeispiele gibt. Das wirft nicht nur die Frage auf, mit welcher Berechtigung die sogenannten Finanzexperten Entscheidungen über Gelder treffen, die weit jenseits dessen liegen, was sich der Normalbürger vorstellen kann. Sondern hauptsächlich die Folgefrage, wieso sich die Bürger dies gefallen lassen und Finanzindustrie und Finanzwesen nach Belieben “Fakten” erfinden können, die ihnen in den Kram passen. Leider fällt mir außer dem populistischem Bankengebashe Sigmar Gabriels spontan nur die Partei “Die Linke” ein, die sich einigermaßen deutlich gegen die Finanzindustrie positioniert hat.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass in der Finanzfrage ein Umdenken stattfindet – und sei es nur, das spekulative Geschäft der Banken von dem systemrelevanten Geschäft zu trennen. Selbst ein solcher Schritt wird von alleine nicht kommen, auch wenn nach jeder neuen Krise einschneidende Maßnahmen angekündigt werden, die Banken nun aber endlich unter Kontrolle zu bekommen.

Leider ist die EZB unter der Leitung von Mario Draghi auf einem guten Weg, die derzeitige Krise weiter anzuheizen, indem sie weitere faule Staatsanleihen kaufen will. Und vielleicht ist das genau der richtige Weg, nämlich das komplette Wirtschaftssystem soweit implodieren zu lassen, dass hinterher nur noch verbrannte Erde zurückbleibt – das würde immerhin auch endlich die Banken mit in den Abgrund reißen, weil einfach kein Geld mehr da ist, um irgendwas zu retten. Dass die EZB die Lage verstanden hat und genau weiß, was sie tut zeigt sie bereits: Sie erwägt, Zinsziele für alle Euro-Länder festzulegen und immer dann zu intervenieren, wenn diese überschritten werden.

Und es soll keiner bitte auf die Idee kommen, nachzufragen, wer diese Zinsgrenzen festlegt und welche Konsequenzen sie haben. Die von der EZB sind die Experten. Und wenn sich später rausstellen sollte, dass sie sich geirrt haben, dann erst werden sie sagen, dass die Lage ja auch so undurchsichtig war, dass man nicht erkennen konnte, wie falsch man gelegen hat.

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