Abgekanzlert

So sehr ich Peer Steinbrück einst gelobt habe, desto mehr festigt sich bei mir die Überzeugung, dass Peer Steinbrück kein guter Bundeskanzler sein wird. Denn Bundeskanzler ist keine Ego-Show. Dass Peer Steinbrück von sich überzeugt zu sein scheint und ein offenes Wort nicht scheut, ist bereits öfter zu Tage getreten. Im Prinzip ist dies sogar ein guter Kontrapunkt zur verstohlenenen Hinterzimmerpolitik der Kanzlerin. Doch Steinbrück kennt die Grenzen nicht und kompromittiert auf diese Weise das Bundeskanzleramt, wie es zuvor Christian Wulff mit dem Amt des Bundespräsidenten getan hat.

Das Amt des Bundeskanzlers ist für mich in erster Linie eine Berufung und kein Beruf. Doch bereits als Finanzminister hat Steinbrück sein persönliches Wohlergehen durch seine Vortragstätigkeit zu sehr vor seine eigentliche Aufgabe gestellt. Nebentätigkeiten vertragen sich nicht mit der Arbeit eines Volksvertreters. Weder zeitlich noch moralisch. So ist es kein Wunder, wenn die Zahlungen des Finanzministeriums an eine Anwaltskanzlei Fragen aufwerfen. Doch Steinbrück wäre nicht Steinbrück, wenn er das Feingefühl hätte, eine weitere heikle Diskussion zu vermeiden, nämlich die um das Gehalt des Bundeskanzlers.

Tatsächlich glaube ich, dass hierbei das eigene Wohl Steinbrücks diesmal nur in zweiter Reihe steht, denn im Vergleich zu seinen Vorträgen wird eine Gehaltserhöhung nicht so sehr ins Gewicht fallen und außerdem sieht es derzeit nicht danach aus, dass Steinbrück tatsächlich Kanzler wird. Das wird auch Steinbrück wissen, eventuell kann man vermuten, dass er auch als wahrscheinlicher Vizekanzler indirekt profitieren würde. Schlimmer als die mögliche Gier ist jedoch das Politikverständnis eines Peer Steinbrück, indem er den Wert des Amtes auf die Bezahlung reduziert. Vielleicht sollte er sich dann doch besser einen anderen Beruf suchen oder sich gleich ganz zur Ruhe setzen, denn am nötigen Kleingeld sollte es bei ihm mittlerweile nicht mehr mangeln.

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