Der DAX als Ankerpunkt

In den Kommentaren und Kolumnen von Spiegel Online darf ja leider so mancher schreiben, was er so denkt oder glaubhaft machen will. Ärgerlich ist nur, dass die dort geäußerten Aussagen im Rahmen einer etablierten Zeitung immer einen Anschein von Wahrheit haben. So schreibt Christian Kirchner über Ankerpunkte beim DAX wie ich ihn verstehe, dass der Kursstand des DAX eine rein psychologische Marke sei, die kein absoluter Maßstab sein sollte, sondern kaum als Wertkriterium tauge. Als Beispiel bemüht er darum auch ein Experiment aus der Psychologie.

Sicher ist, dass der DAX tatsächlich auch eine psychologische Marke ist, die im freien Spiel der Märkte entsteht und bei der signifikante Kursstände, wie insbesondere die Tausendermarken, einen Einfluss haben, der nicht allein von realen Gegebenheiten gestützt ist. Doch Kirchners Ausführungen suggerieren für mich, dass die Marken rein willkürlich sind und insbesondere der aktuelle Aktienboom keine Folge der globalen Geldschwemme sei. Das halte ich für sehr gefährlich und vermute dahinter auch ein irgendwie geartetes taktisches Kalkül, den Aktienmarkt stützen zu wollen.

Denn sowohl der Preis für Computermäuse als auch der durch den DAX symbolisierte Preis von Aktien sind sehr wohl eine Referenz. Bei einer Computermaus rechne ich je nach Qualität einen Preis von 10 Euro bis 120 Euro vom Billigmodell zur Highend-Gamermaus. Diese Preise ergeben sich ohne weitere Nachforschung aus meiner Erfahrung und sind möglicherweise sogar falsch. Jedoch sind sie mein Orientierungspunkt für meine Zahlungsbereitschaft. Eine Maus, die einen Euro oder eine die 250 Euro kosten, fallen aus dem Rahmen und erwecken so meinen Argwohn. Einen Kauf würde ich mir dann doppelt überlegen. Ebenso halte ich es mit dem Kaufpreis von Aktien.

Immerhin hat Kirchner dabei insofern Recht, als er neben dem DAX weitere Kriterien wie das KGV ins Spiel bringt. Dass er dabei jedoch den Vergleich zu den Krisenzeiten 2000 und 2007 macht, ist nicht nur ungeschickt, sondern widerlegt in meinen Augen implizit auch seine eigene Argumentation.

Ganz auf seiner Linie liege ich erst wieder mit Kirchner, ab dem Punkt, wo er die kalte Enteignung der Sparer anprangert. Wobei jedoch das unwohle Restgefühl bleibt, dass dieser Hinweis nur dazu dienen könnte, die Sparanlagen zu verleiden und den Normalverdiener in den Aktienmarkt zu treiben.

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