Besser unkommentiert

Netzpolitik.org, die vermutlich bekannteste netzpolitische Webseite in Deutschland, hat gestern einen Spendenaufruf gestartet und dabei auch eine Einnahme-Ausgaben-Gegenüberstellung gemacht. Diese ist nicht bei allen Nutzern gut angekommen, was diese in blogüblicher Weise in mehr oder weniger sinnvollen Kommentaren ausgedrückt haben. Einige dieser Kommentare wurden heute mit der Einleitung „Es gab aber auch Kommentare, wofür man zur Beschreibung wohl den Begriff #facepalm erfunden hat. Die möchten wir Euch nicht vorbehalten und wir haben ein “Best of” zusammengestellt. Auch das ist Deutschland.“ in einem eigenen Post vorgestellt.

Ich persönlich halte das für einen großen Lapsus, der insbesondere bei einer Webseite, die in gewisser Weise die „Netzgemeinde“ zu einem großen Teil mitverkörpert, nicht passieren sollte:

Erstens kann ich die zugrunde liegenden Bedenken der hier vorgeführten Kommentatoren, die oft auf dem ihrer Meinung nach zu hohem Personalkostenanteil beruhen, durchaus nachvollziehen. Mindestens als Meinungsäußerung haben diese in meinen Augen eine Berechtigung und ich halte darum eine unreflektierte Kritik an ihnen schon für sachlich falsch.

Zweitens ist die Methode des Anprangerns und Lächerlich machens ein Schlag unter die Gürtellinie der betroffenen Nutzer. Diese führt eine Diskussionskultur im Internet ad absurdum und verringert die Meinungsfreiheit. Insbesondere muss man diese Befürchtung haben, wenn Markus Beckedahl, in den Kommentaren ernsthaft erwägt, künftig einen „regelmäßigen Kommentarpolitischen Wochenrückblick” zu betreiben. Eventuelle Fehlannahmen oder Unwissen, das eventuell in einigen der genannten Kommentare steckt, werden nicht ausgeräumt, sondern vermutlich lediglich verhärtet.

Drittens erweckt das Vorgehen für mich auf den ersten Blick den Eindruck, dass hier auf polemische Weise Gegenmeinungen unterdrückt werden sollen und dass in der Folge eine Nutzergemeinde aufgebaut werden soll, die sich gegenseitig in einer festgelegten Denkrichtung verstärkt.

Ich will bei diesem Post nicht verhehlen, dass ich Markus Beckedahl als Netzexperten ohnehin kritisch gegenüber stehe und kann auch nicht ausschließen, dass ich das als kleiner, unbeachteter Blogbetreiber mit  Vorurteilen und unangebrachter Missgunst sehe. Doch tatsächlich sehe ich zunächst mal keinen Anspruch von Netzpolitik.org auf eine Finanzierung. Wenn diese, wie im ersten Post, erbeten wird und dann von vielen Nutzern geleistet wird, ist das alles gut und richtig. Jedoch verspüre ich in der Art und Weise der Kommunikation, insbesondere innerhalb des zweiten Beitrags, ein erstes Anzeichen von Arroganz und Anspruchsdenken, wenn ablehnende und anderslautende Kommentare lächerlich gemacht werden.

Dazu kommt als Randbeobachtung, dass ich anscheinend diesen Artikel als Kommentar bei Netzpolitik.org schreiben muss oder ihn dort zumindest per Kommentar verlinken, um dort überhaupt wahrgenommen zu werden, da Netzpolitik.org anscheinend, anders als ich es in der Blogszene erwarten würde, keine Trackbackfunktion besitzt.

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