Eine kleine Wahlhilfe

Der folgende Text soll insbesondere den Unentschlossenen eine Anregung für ihre Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl geben.

Wählen gehen

In jedem Fall sollte man wählen gehen, da die eigene Stimme nicht nur wertvoll ist, sondern weil man durch seine Stimme in jedem Fall eine Aussage treffen kann. Die wichtige Stimme ist dabei die Zweitstimme, mit der man eine der Parteien wählt. Sofern man sich unsicher ist, welche Partei die eigenen Ziele am ehesten vertritt, kann man einen schnellen ersten Eindruck von den Parteien über Umfragen oder auch über den Wahl-O-Mat bekommen.

Wenn einem nach aller Information keine Partei sonderlich zusagt, sollte man dennoch die Partei wählen, die man am wenigsten schlecht findet, weil man auf diese Weise immerhin noch indirekt den Parteien schadet, die man für komplett ausgeschlossen hält.

Nach Überzeugung wählen

Erwartungsgemäß werden die meisten Parteien nicht in den Bundestag einziehen, da sie nicht das Minimum von 5% der gültigen Stimmen (bzw. drei Direktkandidaten) zusammen bekommen. Eine Stimme für solche Parteien scheint auf den ersten Blick verloren. Allerdings ist die Wahl einer Partei immer auch ein Statement des Wählers und jede Stimme stärkt die Position einer Partei, auch wenn sie nicht in den Bundestag kommt (zudem erhält eine Partei für jede Stimme eine Wahlkostenerstattung). Langfristig gedacht sollte man also durchaus eine Partei wählen, von der man überzeugt ist, auch wenn sie nicht in den Bundestag kommt, denn wenn man nicht irgendwann anfängt eine solche Partei zu wählen, wird sie es schwer haben, jemals Bedeutung zu erlangen.

Taktisch wählen

Wer jedoch sicher gehen will, dass seine Stimme direkt Einfluss auf die Zusammensetzung des nächsten Bundestags hat, muss dagegen taktisch wählen, insbesondere, wenn nicht ohnehin eine der großen Parteien, die aller Vorraussicht nach in den Bundestag einziehen, zu den eigenen Lieblingsparteien gehört.

Die Wahlprognose von Infratest dimap sieht derzeit die Stimmeergebnise wie folgt:

  • CDU/CSU 41.0%
  • SPD 27.0%
  • FDP 5.0%
  • Linke 8.0%
  • Grüne 10.0%
  • AfD 3.0%
  • Sonstige 6.0%

Die Zahlen sind allerdings nur eine Momentaufnahme und zudem erfahrungsgemäß mit Unsicherheiten von mehreren Prozent behaftet. Grob läßt sich daraus folgendes ablesen: CDU/CSU, SPD und Grüne sind so gut wie sicher im Bundestag vertreten. Die FDP hat hohe Chancen ist aber unsicher und die AfD könnte es eventuell schaffen, aber eher nicht. Alle anderen Parteien haben nur dagegen nur sehr kleine Chancen, von ihnen vermutlich am ehesten noch die Piratenpartei. Für die Chancen der FDP spricht, dass sie gerade wegen der Gefährdung des Einzugs in den Bundestag von ihren Anhängern besonders stark unterstützt werden wird. Für die Chancen der AfD gilt in geringerem Maße das gleiche, zudem handelt sich um eine neue Partei, die eventuell noch viele versteckte Wähler hat, die in den Umfragen nicht sichtbar werden.

Anhand der Parteienkonstallation und der Koalitionsaussagen der Parteien sind darum folgende Regierungen denkbar:

Schwarz-Gelb: diese wird es fast sicher geben, sofern CDU/CSU und FDP die dazu nötige Mehrheit der Sitze erlangen.

Rot-Grün: diese wird es fast sicher geben, wenn SPD und Grüne die Mehrheit der Sitze erlangen. Das erscheint allerdings von der Wahlprognose ausgeschlossen. Denkbar wäre allenfalls eine Tolerierung durch die Linke, die vom Stimmverhalten im Bundestag wie eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken wirken würde. Diese ist rechnerisch nicht unwahrscheinlich, allerdings werden sich alle drei Parteien für diese Konstallation vermutlich nicht bereit erklären, so dass das sogenannte Rot-rot-grün sehr unwahrscheinlich erscheint.

Schwarz-Grün: Eine Koalition zwischen CDU/CSU und Grünen ist stimmenmäßig wahrscheinlicher als eine Schwarz-Gelbe Koalition und darum denkbar, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Allerdings scheint die Koalition auf Bundesebene noch zu früh und es ist sehr fraglich, ob sich die beiden Parteien darauf einlassen.

Schwarz-Rot: Somit ist die sogenannte große Koalition neben der schwarz-gelben Koaltion die wahrscheinlichste. Sie gilt gemeinhin als „Vernunftehe“ und ist somit von keiner Partei geliebt, aber eine anerkannte Option. Von der Zahl der Stimmen ist sie auf jeden Fall realisierbar.

Um eine dieser Koalitionen zu fördern oder zu verhindern, müsste man also taktisch wie folgt wählen:

  • Schwarz-gelb: Taktisch sollte man hier FDP wählen, denn wenn die FDP nicht in den Bundestag kommt, ist Schwarz-gelb nicht mehr möglich.
  • Rot-grün: Wer ganz sicher gehen will, wählt die Grünen, die allerdings ohnehin bereits sehr sicher im Bundestag sein werden. Da diese Koalition von den Stimmen jedoch unwahrscheinlich ist, sollte man SPD wählen, um zugleich Schwarz-Rot als Alternative zu stärken. Wenn man auf die Tolerierung durch die Linken hofft, sollte man diese wählen, um deren Position zu stärken.
  • Schwarz-Grün: Wer genau diese Koalition will, sollte die Grünen wählen, um die Schwarz-gelbe Koalition nicht durch Wahl von CDU/CSU zu befördern. Allerdings sollte man sich nicht wundern, wenn am Ende dennoch Schwarz-rot von den Parteien bevorzugt wird.
  • Schwarz-rot: Diese „Große Koalition“ wird technisch in jedem Fall genug Stimmen haben. Wer sie will kann sich also theoretisch frei entscheiden, welche Partei er wählen will. Tendenziell sollte man aber die SPD wählen, denn das Wählen von CDU/CSU könnte am Ende Schwarz-gelb ermöglichen. Wer unbedingt die große Koalition und nichts anderes will, könnte seine Stimme verzocken und AfD wählen, denn käme diese in den Bundestag, würde es vermutlich nicht mehr zu einer schwarz-gelben, schwarz-grünen oder rot-grünen Mehrheit reichen.

Im Groben heisst dass: Wer Schwarz-grün für eine denkbare Variante hält, wählt Grün. Wer Schwarz-gelb möchte, wählt FDP. Wer dabei auch gut mit einer Großen Koalition unter Führung der CDU/CSU leben könnte, wählt diese. Alle anderen wählen SPD. Diese zugespitzte Aussage zeigt jedoch zugleich die Verbiegung des eigenen Wählerwillens, der im taktischen Wählen steckt.

Darum würde ich wie bei den kleinen Parteien auch für die großen Parteien empfehlen: Wenn man von einer Partei überzeugt ist, dann sollte man diese auch wählen. Oder ansonsten zumindest die Partei, die man am wenigsten schlecht findet.

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