Die heilige Inflation

Die Inflation sorgt ja immer mal wieder zu kleineren Verwirrungen im Sprachgebrauch (etwa: „Im Januar stieg sie lediglich auf 0,7 Prozent.“ vs. „Die Teuerungsrate für Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter sank von 0,8 Prozent im Dezember auf 0,7 Prozent im Januar“).

Aber auch ich muss zugeben, dass ich den Sinn der Inflationsgläubigkeit der EZB, die gerne eine Inflation von knapp unter 2% hätte, nicht verstehen kann. Denn eigentlich werden Preise doch nach Angebot und Nachfrage gebildet. Im zeitlichen Fortgang würde ich daher erwarten, dass die meisten Produkte durch die technologische Entwicklung immer billiger (oder, bei gleich bleibendem Preis, besser) werden und nur einige wenige Resourcen durch zunehmende Knappheit teurer. Eiegntlich sollte der „natürliche“ Trend des Geldwerts daher doch die sogenannte Anti-Inflation, also die Deflation sein?

Die Furcht vor dieser Depression, insbesondere anhand historischer Ereignisse, kann ich nicht nachvollziehen, zumal es auch für die Furcht vor der Inflation historische Begebenheiten gibt. Ich bin allerdings auch kein Wirtschaftswissenschaftler (und froh darum, da mir diese doch allzu oft Scharlatanerie zu betreiben scheint). Wenn Preise über die Zeit sinken, mag es ja eine gewisse Kaufzurückhaltung geben, aber diese wird kaum nachhaltig sein, da Menschen ihre Grund- und Luxusbedürfnisse ja irgendwann befriedigen müssen. Das Recht auf eine Inflation als Kaufanreiz kommt mir da so sinnvoll vor, als würde man zum gleichen Zweck den Handy-Herstellern vorschreiben, das jede neue Handy-Generation schlechter sein muss, als die gerade aktuelle.

Im Gegenzug führt die kontinuierliche Inflation jedoch zu konstanter Verwirrung. Die Preise von heute lassen sich nicht mehr so leicht mit denen von früher vergleichen, was zum Verlust von Transparenz führt. Auf der anderen Seite entstehen regelmäßig neue „Rekorde“ in der Wirtschaftsleistung von Ländern oder auch im Kaufpreis von Kunstgegenständen oder worin auch immer, die letztlich zum guten Teil bloß darauf zurückzuführen sind, dass eben der Geldwert sinkt. Manchmal frage ich mich bei der Verkündung der Wachstumszahlen, ob sie nicht real (also inflationsbereinigt) eigentlich eine nachlassende Leistung bewirken.

Insofern scheint mir das sankrosankte Bestehen auf Inflation hauptsächlich zu sein: eine Stützung der Schuldner und die kalte Enteignung von Sparern und Gläubigern. Eine systematische Täuschung von Verbrauchern und kosmetische Aufhellung von Wirtschaftsentwicklungen und ein großangelegtes Beschäftigungsprogramm für „Wirtschaftswissenschaftler“, nicht zuletzt von denen bei der EZB.

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