Die Bahn hat keinen Plan

In der letzten Woche bin ich leider mal wieder mit der Bahn gefahren. Diesmal mit etwa zwei Stunden Verspätung auf sechs Stunden Fahrzeit. Was mich dabei trotzdem noch überrascht und verärgert hat ist, dass die Bahn wohl selber nicht so recht zu wissen scheint, wann, wo und wielange ihre Züge fahren.

Die offizielle Abfahrtszeit meines Zuges (wie auch das Abfahrtsgleis und soweit ich mich erinnere auch die Zugnummer) hat sich seit der Buchung meines Tickets anscheinend um drei Minuten verschoben. Den Zug, mit dem ich fahren sollte, gab es demnach also gar nicht. Im Zug wies dann sogleich eine freundliche Stimme darauf hin, man solle doch besser den Zug wechseln, wenn man nicht mit einer Dreiviertelstunde Verspätung in Berlin ankommen wolle. Ich tat wie geheißen, schließlich verpasste ich sonst meinen Anschlußzug, der bekanntlich immer nur wartet, wenn man selber pünktlich ist. Grund für die Verspätung waren im Übrigen Bauarbeiten, welche bereits seit Monaten im Gange sind, aber anscheinend nicht in einen realen Fahrplan einzupreisen sind. Aber immer wieder überrascht tun, wenn der Zug dann „leider dieses eine Mal Verspätung hat, aber wir danken wir ihr Verständnis … bla bla bla… “

Der neue Zug fuhr sogar noch früher ab und extra wegen der Bauarbeiten eine andere Strecke mit anderen Haltebahnhöfen, die sich weder auf der Anzeigetafel im Zug noch im Zugbegleiterheft wiederfanden – ich denke, dass die Bahn damit auch anderen Fahrgästen eine Freude bereiten konnte. Immerhin fand sich Berlin auf dem Streckenplan, wo wir mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ankamen. Der Anschlußzug war also weg und ich frage mich nur noch, ob der andere Zug am Ende vielleicht sogar zwei Minuten schneller war. Zum Glück bin ich seit einiger Zeit dazu übergegangen bei allen Zügen, die einen Umstieg erfordern, auf den Kauf von Platzkarten zu verzichten. Das scheint sich zu lohnen, denn ich habe mal überschlagen, dass ich bisher etwa 50 Euro im Jahr für Reservierungen ausgegeben habe, die ich wegen des Verschuldens der Bahn nicht wahrnehmen konnte.

Das Problem ist dabei weniger mein persönliches Schicksal, welches kaum aus der Masse der Bahngeschichten heraussticht, sondern die traurige Erkenntnis, dass ich mittlerweile gar nicht mehr damit rechne, mit der Bahn pünktlich ans Ziel zu kommen. Also nehme ich, wenn es geht, das Auto oder gar den Flieger, statt eine Sicherheitszeit einzurechnen, die jede Bahnfahrt zur Tagesreise macht. Die Bahn ist jedoch in letzter Instanz ein staatlicher Konzern, der seine impliziten Aufträge der Mobilität und des Umweltschutzes damit am Ende nur unzureichend erfüllt. Die Geschichte der Bahn ist derzeit eine Geschichte von Stillstand und schleichendem Niedergang.

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