Pro oder Contra

Der SpOn verfährt mit seinen zahlreichen Kolumnen und Kommentaren seit längeren die Taktik, bei vielen Themen zweigleisig zu fahren und einmal diese und einmal jene Meinung zu propagieren. Auch wenn es in meinen Augen das vornehmste Ziel eines Nachrichtenportals ist, möglichst untendenziös und sachlich Fakten zu berichten, halte ich die persönliche und individuelle Meinung prinzipiell für einen guten Beitrag zur Meinungsbildung. Bei SpOn geschieht dies allerdings häufig in Form von nicht in Zusammenhang gebrachten Einzelbeträgen, die ich zudem zumindest im Feedreader zunächst einmal nicht als Meinungsbeiträge gekennzeichnet erkenne. Das finde ich widerum etwas nervig, zumal ich dann häufig Kommentarartikeln etwa von Wolfgang Münchau oder Henrik Müller aufsitze, die ich meist für wenig lesenswert halte.

Wobei ich dies auch wieder für bedenklich halte, denn schließlich ist es mir immer wieder auffällig, dass mir eben jene Artikel nicht gefallen, die meiner persönlichen Meinung widersprechen. Allerdings kann ich auch ganz genau sagen, was mir nicht gefällt an diesen Artikeln. Ich halte sie meist für unbelegt, schwadronierend, logisch unstrukturiert und polemisch. Also nichts, was mich irgendwie weiterbringt und mich rational nachvollziehen lässt oder gar davon überzeugen kann, was das von mir nicht favorisierte Meinungslager denken könnte. Ich will das kurz und rein exemplarisch an einem weniger extremen aber dafür aktuellen Beispiel aufzeigen, wo ich meine Probleme habe:

Im Artikel „EZB-Anleihenkauf: Draghis Doppelfehler“ der sich wie ich kritisch mit der EZB-Politik unter Mario Draghi auseinandersetzt finde ich wenige Dinge, die mich beim Versuch eine neutrale Position einzunehmen, stören. De facto würde ich den Artikel komplett so durchgehen lassen.

Anders sieht es beim Artikel zur Gegenmeinung aus: „Kommentar zu EZB-Anleihekäufen: Deutschlands scheinheilige Draghi-Kritik„. Da gibt es im zweiten Absatz die Verwendung von der Worte „unterschwellig“ und „nicht gerade subtil“, die für mich suggerieren, dass hier von der Gegenseite hinter vorgehaltener Hand und von hinten durch die kalte Küche argumentiert würde. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den genannten Punkten um offen vorgetragene Argumente, die keine Heimlichkeit beinhalten. Im gleichen Absatz wird die Herkunft Draghis als „Südeuropäer“ hervorgehoben, was dessen Kritiker diesmal tatsächlich unterschwellig in den Bereich des Rassismus rückt. Dies wäre, wenn auch an anderer Stelle, da es zur gewählten Thematik nicht dazugehört, sogar durchaus ein spannendes Thema – hier ist es jedoch überflüssig und rein polemisch. Die folgende „Argumentationskette“ das in der Vergangenheit irgendetwas ähnliches von irgendwelchen Leuten schon mal gemacht wurde und darum alles nicht so schlimm werden würde kann meines Erachtens komplett entfallen. Die Argumentation, einer wechselnden Haltung der Bundesregierung immerhin ist in ihrer Kürze nachvollziehbar und aufgrund des in der Überschrift gesetzten Themas auch passend. Im Abschluss wird dies jedoch gleich wieder mit einer irgendwie gearteten objektiven Meinung zum EZB-Thema vermischt. Ganz offen und ohne Heimlichtuerei wird darauf hingewiesen, dass das geplante Draghi-Programm keineswegs eine sichere Angelegenheit sei. Hintenrum werden die Gegner des Programms dann jedoch gleich wieder dafür lächerlich gemacht, weil sie unter Anderem genau deswegen besagtes Programm ablehnen.

Wie gesagt, ich frage mich, ob ich da mit zweierlei Maß messe, würde jedoch, solange bis ich widerlegt werde, behaupten, die Befürworter der Draghi-Massnahmen bei SpOn haben keine nennenswerten Argumente und blasen diese mit wenig hilfreichen Scheinrhetoriken zu einer vordergründig gleichwertig begründeten Meinung auf.

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