Ende des Kaspertheaters

Allzuverständlich wird beim Bezug auf Griechenland in der Eurokrise der Begriff der Tragödie bemüht, doch leider sehe ich derzeit nur noch Kasperletheater, weshalb mir der historische Hintergrungsbezug verwehrt bleibt. Aber nichts anderes ist der Verstoß von Alexis Tsipras in meinen Augen, die Griechen am 05.Juli ein Referendum über die Bedingungen der Gläubiger abhalten zu lassen. Dabei ist es ja möglicherweise sogar eine gute Idee, zumindest aus Sicht der griechischen Regierung, das Volk noch einmal direkt einzubeziehen, wenn es um entscheidende Zukunftsfragen geht. Nur kommt dieser Vorschlag zu spät.

Denn letztlich geht es darum, das Auslaufen des Hilfspakets abermals herauszuzögern und die unzähligen gesetzten roten Linien abermals ein bisschen zu verschieben. Hätte man ernsthaft Interesse an einem Referendum gehabt, hätte man dieses rechtzeitig initiieren können. Insofern ist es richtig, wenn die Gläubiger dieses Ansinnen nun ablehnen.

Denn selbst, wenn man Tsipras, in diesem Stück die Rolle des Kaspers zuweisen wollte, der wie ein lustiger und sympatischer Anarchist eben auch mal über die Stränge des allzu bürokratischen und gesichtlosen Politikbetriebs schlägt, wären seine Kapriolen kein Selbstzweck, der allein zur Unterhaltung gedacht wäre. Alexis Tsipras versucht knallhart, seine Interessen durchzusetzen. Ob es ihm dabei nur darum geht, die bestmöglichen Konditionen für sein Land auszureizen oder darum, einen möglichst plausiblen Vorwand für das Scheitern der Verhandlungen zu provozieren, wird sich möglicherweise in den nächsten Tagen zeigen – sofern die Gläubiger nicht abermals einen Rückzieher machen und sich damit dann wohl selbst abermals zur Kasperle-Bühne.

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