Rechtslastig

Wer glaubt, Rechtsextremismus sei allein ein Ostdeutsches Phänomen, hat Recht und Unrecht zugleich. Ganz offensichtlich ist rechtes Gedankengut in den letzten Jahren in ganz Deutschland offener zu Tage getreten und diese Tendenz beschränkt sich nicht allein auf den Osten Deutschlands. Dennoch legt die grafische Darstellung von NPD-Mandaten in Gemeinderäten durchaus eine Konzentration einer rechten Gesinnung in Ostdeutschland nahe. Zumindest wirkt diese geographische Verteilung auf der Deutschlandkarte ebenfalls sehr „rechtslastig“. Auch die Verteilung rechtsmotivierter Aktionen und Gewaltaten deutet auf einen Schwerpunkt in Ostdeutschland hin, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Bevölkerungsdichte dort eher geringer ist als in Westdeutschland.

Diese Verteilung könnte eventuell dazu führen, dass die Wahrnehmung des Rechtsextremismus regional sehr unterschiedlich sein könnte. So ist der Rechtsextremismus in vielen Teilen Westdeutschland für viele eventuell nur ein theoretisches Problem, das im Alltag eher selten zu beobachten ist, während er in Ostdeutschland eventuell sogar für große Teile der Bevölkerung ebenfalls kein Problem darstellt, weil er dort allgegenwärtig genug ist, dass man sich damit bereits arrangiert oder sogar angefreundet hat.

Als Erklärung für diese Verteilung zwischen alten und neuen Bundesländern, fallen mir spontan zwei Gründe ein. Zum Einen wäre das eine mögliche unterschiedliche historische Sozialisierung im „demokratischen Westen“ gegenüber dem eher „totalitären real existierenden Sozialismus“. Ein solcher Unterschied wird sicherlich vorhanden sein, ist jedoch für mich nur schwer zu bewerten und zu quantifizieren. Noch schwerer wäre zudem der Nachweis, dass diese Unterschiede in einer mittlerweile doch recht fernen Vergangenheit von mehr als einem Vierteljahrhundert die Ursache wären für einen Hang zum Extremismus. Denn schließlich haben nicht nur rechtsexteme, sondern auch linksextreme Parteien einen besonders hohen Einfluss in Ostdeutschland.

Wahrscheinlicher als Erklärung für diese Neigung zu politischen Randpositionen, scheint mir hingegen die Verteilung von Reichtum und Zukunftschancen zu sein, bei der ganz klar der Westen Deutschlands bevorzugt zu sein scheint. Solange die Politik es nicht schafft, allen Menschen eine glaubhafte wirtschaftliche und politische Perspektive zu bieten, werden extreme Positionen weiter Zulauf haben. Dabei ist die Politik zwar durchaus in gewissen Rahmen bemüht, diese Perspektiven zu bieten. Allerdings konzentriert sie sich dabei in meinen Augen immer mehr auf eine immer kleiner werdende gesellschaftliche Mitte und grenzt dadurch immer mehr Menschen von der Akzeptanz ihrer Politik aus.

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