Richtig geleakt

Sollten die Originalquellen der Panama-Papers und anderer Leaks besser öffentlich vorliegen oder von Fachleuten und Journalisten ausgewertet werden?

Zunächst einmal lässt sich diese Frage natürlich rein faktisch beantworten. Denn, auch wenn das massenhafte Erlangen und Kopieren von Daten im digitalen Zeitalter wesentlich einfacher geworden ist, ist dieser Vorgang auch heute keineswegs trivial und häufig auch nicht ungefährlich. Insofern liegt die Entscheidung, ob und wie die Daten weitergegeben werden, in erster Linie bei demjenigen, der diese Daten erlangt hat. Er entscheidet sich für eine Weitergabe anhand der aus seiner Sicht besten Verbreitungsmethode.

Ob unabhängig von der Intention des Datenbesitzenden die Originaldaten besser für alle Menschen öffentlich gemacht werden sollten oder von Fachleuten ausgewertet werden oder vielleicht gar nicht veröffentlicht werden sollten, ist hingegen weniger einfach zu beantworten und hängt von der Art der Daten und vom eigenen Beurteilungsmaßstab ab. Sicherlich ist absolute Transparenz prinzipiell zu begrüßen, allerdings gibt es durchaus Daten, die offen zugänglich Schaden anrichten können. Dies kann sein, wenn etwa in Geheimdienstdokumenten Spione und Mitarbeiter enttarnt werden, was eventuell lebensbedrohliche Folgen haben könnte. Oder wenn wohlmöglich sehr sensible persönliche Daten gänzlich Unbeteiligter an die Öffentlichkeit gelangen. Ein verantwortungsvolles Aussortieren sensibler Daten kann also durchaus sinnvoll sein, auch wenn die Frage schwer zu beantworten ist, welche Daten in diesen Bereich fallen sollen.

Bei der Datenmenge als Kriterium hingegen sind sowohl Medien und andere große Organisationen als auch die sogenannte Schwarmintelligenz wohl in der Lage, einen Datensatz zu scannen und aufzubereiten. Auch die Aufbereitung hat nicht notwendigerweise einen Favoriten, da bei jedem, der einen Datensatz auswertet, die Gefahr besteht, dass er falsche Prioritäten setzt oder voreingenommen ist. Gerade bei der Berichterstattung zu den Panamaleaks war etwa die starke Fokussierung zumindest der deutschen Medien auf das Umfeld von Russlands Präsident zu erkennen, wobei eine direkte Verwickelung Putins jedoch anscheinend bestenfalls zu Vermuten war. Ob dieser Schwerpunkt den vorhandenen Daten gerecht wird, könnte man anhand der sonstigen veröffentlichten Daten zumindest hinterfragen. Ebenso bleibt für die Allgemeinheit immer fraglich, ob tatsächlich alle Daten vollständig und korrekt ausgewertet worden sind.

Dazu noch muss man sich ganz generell auch mit der Frage befassen, ob und mit welchem Recht Daten öffentlich gemacht werden dürfen, die zumindest aus der Sicht des Datenbesitzers illegal erworben wurden. Sicher scheint jedoch umgekehrt, dass die in der Vergangenheit geleakten Daten sehr häufig einen Blick auf eine unheimliche und häufig extrem kriminelle Schattenwelt geworfen haben, deren unrechtmäßiges Handeln ohne die geleakten Daten im Verborgenen geblieben wäre und dort hätte unerkannt und ungestört fortgesetzt werden können. Insofern ist die Frage nach dem Umgang mit geleakten Daten in den meisten Fällen vermutlich eben keine Trivialität.

 

Nachtrag (05. April):

  1. Dieser Artikel wurde inspiriert durch diesen eher medienfreundlichen Beitrag zu oben genannter Frage. Auch wenn ich nicht notwendig gegen die Auswertung durch die Medien bin, fand ich persönlich die Darstellung in dem Artikel zu einfach und zu undifferenziert.
  2. Dass das generelle Leaken von Daten ein Problem darstellen kann, scheint dieser soeben gefundene Beitrag ganz aktuell zu bestätigen: „Riesiger Datensatz: Sensible Daten von 50 Millionen Türken geleakt“.

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