CDU Plakat zur Bundestagwahl

Ebenso für nicht ganz so gut gelungen halte ich das aktuelle Wahlplakat der CDU, das jetzt vor der Bundestagswahl aushängt mit dem Slogan: „Für mehr Respekt vor Familien.

Auch hier ist weniger das irgendwie schwarz-rot-goldene Schnipseldesign des Plakats der Stein meines Anstoßes, sondern es ist der Slogan. Wenn mir auch erst auf den zweiten Blick klar geworden ist, was mich daran stört. Denn Respekt für Familien einzufordern, kann ja nichts Schlechtes sein. Vielleicht könnte und sollte man sich allerdings fragen, wozu das nötig ist und wie es in der Vergangenheit denn dazu kommen konnte, dass Familien nicht genug Respekt bekommen haben, so dass sie nun mehr davon brauchen.

Doch durch Ursache meines Problems liegt weiter im Detail, begründet in meinem persönlichen Sprachgebrauch, von dem ich nicht sicher bin, ob ich hier die Sprache individuell falsch interpretiere, nämlich in dem Wörtchen „vor“. Wenn ich Respekt vor etwas habe, verbinde ich es meistens mit einer schwierigen Herausforderung oder einer Bedrohung. Ich habe Respekt vor der kommenden Mathearbeit und vor dem fiesen Schläger auf dem Schulhof. Allerdings habe ich eher weniger Respekt für ihn.

Wer also mehr Respekt vor Familien fordert, möchte daher nach meinem Sprachverständnis die Herausforderung der Familienführung noch anspruchsvoller gestalten, die Hürden noch höherlegen, damit die Menschen noch mehr Respekt davor bekommen. Noch schlimmer wird es, wenn man vor nicht als Herausforderung, sondern als Bedrohung sehen würde. Da die meisten Menschen Familien zunächst einmal schlimmstenfalls als laut und nervig aber doch eher selten als Bedrohung wahrnehmen, kommen hier zumindest spontan eigentlich nur zwei Gruppen als Familien mit Bedrohungspotential in Frage – zumal in der Bundestagswahl kaum jemand die politischen Familiendynastien in den USA und nur vereinzelt in Deutschland im Sinn haben wird. Dies sind die integrationsunwilligen Familienclans in irgendwelchen Großstädten, die nach gemeingeltender Vorstellung ganze Straßenzüge in No-Go-Areas verwandeln oder aber die sehr wohl integrationswilligen Familiennachzügler, die nun gerne in Scharen nach Deutschland nachgeholt werden wollen. Da du, liebe CDU, diese Interpretationen vermutlich nicht gemeint haben wirst, hättest du für mich gerne schreiben können „Für mehr Respekt für Familien“. Ich meine, ihr denkt doch bestimmt sehr lange über solche Slogans nach, oder nicht? Vielleicht hättet ihr auf Euren Plakaten dann auch noch andeuten können, wie ihr Euch das konkret vorstellt mit diesem Respekt.

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1 Antwort

  1. Christian sagt:

    In der Tag kann man bei manchen „Wahl-Slogans“ daran zweifeln, dass man darüber vorher lang nachgedacht hat.
    VG

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