Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin hat es schwer, denn sie steht an der Spitze der Regierung und ist damit das wichtigste Ziel bei Angriffen gegen die regierende Koalition. Während die Regierungskoalition bisher keine glückliche Figur gemacht hat, sondern eine breite Angriffsfläche geboten hat und so Treffer um Treffer einstecken musste, war Angela Merkel davon bislang nur mittelbar betroffen. Sicher steht es ihr nicht gut zu Gesicht, wenn sich ihre Minister und Bundespräsidenten fehlverhalten und sich nach langen Klammern am Amt verabschieden, doch ist ihr das nicht direkt anzulasten. Indirekt trifft es sie, denn die Bundespräsidenten etwa galten als ihre Kandidaten, für die sie sich selbst eingesetzt hatte, und schließlich ist sie ja auch Chef von dem Laden.

Lange hatte man Angela Merkel vorgeworfen, dass sie eine „Politik mit ruhiger Hand“ soweit perfektioniert hätte, das man sich fragte, ob die Hand nicht schon tot war. In bester Schülermanier schien Angela Merkel bei jeder politischen Diskussion abzuwarten, bis sich endlich eine Entscheidung abzeichnete, um dann zu sagen: „Wollt‘ ich auch gerade sagen“. Einige warfen Merkel vor, nur zu moderieren, aber nicht zu regieren und vielleicht wäre Angela Merkel damit eine gute Bundespräsidentin geworden. Als Moderatorin, Frau und aus dem Osten hätte sie vermutlich mehr Punkte für sich verbuchen können als Christian Wulff oder jetzt Joachim Gauck.

Angela Merkel ist nicht angeschlagen, wie behauptet wird. Was daran liegt, dass sie kaum ernstzunehmende Herausforderer hat. Was zum Teil an ihrem Machtgespür liegt und insbesondere daran, dass sich die Koalition intern soweit zerlegt hat, dass es reicht, keine Fehler zu machen, um mit Abstand der beste Kandifat zu sein. Und Angela Merkel hat wenige Fehler gemacht. Die Präsidenten sind ein Kratzer im Lack, wie man ihn schnell mal bekommt. Das Bekenntnis zu Stuttgart 21 war ein Fehler, der jedoch zu ihren Gunsten ausgegangen. Das Bekenntnis zur Kernkraft und die Laufzeitverlängerung waren massive Fehler, die Angela Merkel jedoch elegant und gerade noch rechtzeitig mit einer 180-Grad-Wende gelöst hat. Das wirft man ihr jetzt jedoch vor. Wer sich anpasst ist ein Opportunist oder wankelmütig, wer beharrt halsstarrig und überkommen. Als Bundeskanzlerin verliert man bei fast jedem Spiel ein bisschen.

Doch Angela Merkel hält sich erstaunlich gut dafür. Sie hat die Finanzkrise nicht nur überlebt, sondern ist innenpolitisch gestärkt aus ihr hervorgegangen. Sie hat Stärke gezeigt und meines Erachtens genau das richtige getan. Die Stimmen aus dem Ausland und aus der Wirtschaft, Merkel hätte mit ihrer Haltung zur Eurorettung die Probleme der Eurozone verschärft, ist bestenfalls bedingt richtig und noch bedingter ihre Schuld.

Angela Merkel ist vielleicht nicht die beste Bundeskanzlerin*, aber eine ziemlich gute. Tatsächlich frage ich mich, ob ich einen SPD-Bundeskanzler besser finden würde. Und wenn Gauck wirklich Angela Merkels „größte Schmach“ ist, dann hat sie aber so einiges andere richtig gemacht.

* (für Wortspieler und Spaßvögel: ja ich weiß, dass Angela Merkel die einzige Bundeskanzlerin ist und damit zugleich die schönste, häßlichste, beste und schlechteste. Natürlich bezieht sich der Vergleich auf alle Amtsträger)

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