Aerar

Der Gemeinplatz der Politik

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Blizzard’s Bug Management

14 August, 2014 (12:54) | Internet | By: Aerar

Es ist immer wieder erstaunlich wie träge große Konzerne agieren. Aktuell gibt es einen Bug im Battle.net-Spiel “Hearthstone”, der unter anderem dazu führt, dass die offenen Fenster des Spiels nach Beendigung in der Taskleiste verbleiben und diese zusammen mit dem ganzen Rechner einfrieren. Üblicherweise ist dann ein harter Reset das Mittel, um den Rechner wieder zum Laufen zu bekommen. Alle anderen offenen Programme und darin gemachte Eingaben gehen dabei natürlich verloren und müssen neu gestartet werden.

Das Problem dabei ist ja nicht nur, dass es recht peinlich ist, einen solch offensichtlichen Bug zu veröffentlichen. Anscheinend ist das Softwaretest-Verfahren bei Blizzard nicht sonderlich ausgereift. Geradezu erbärmlich ist, das Blizzard seit acht Tagen nicht in der Lage oder nicht willens ist, diesen Bug zu fixen. Auch, wenn “Hearthstone” in der Lage ist, ein Betriebssystem abzuschießen, ist es doch nicht annähernd so komplexe Software wie ein Betriebssystem, sondern lediglich ein recht simples Kartenspiel. Da sollte man einen solch systemischen Bug eigentlich recht schnell finden können.

Immerhin wird das Spiel ja von vielen Spielern gespielt, die viel Zeit und durch den Online-Kartenverkauf zum Teil auch viel Geld in das Spiel gesteckt haben. Aber möglicherweise hat Blizzard von dem Bug ja auch noch gar nichts mitbekommen, denn wie üblich bei solch großen Firmen, ist es schwer, einen direkten Ansprechpartner zu finden, an den man sich bei Problemen wenden kann.

Allerdings ist dieses Problem ein prinzipielles und nicht auf recht unwichtige Dinge wie Onlinespiele beschränkt. Und das bringt mich wieder zu den goldenen Regeln des Erwerbs von Software und anderen digitalen Gütern:

1. Digitale Daten in der Cloud hast du nur so lange und in der Form zur Verfügung wie der Provider sie bereitstellt.

2. Digitale Daten in der Cloud hast du nur so lange zur Verfügung wie dein Internet funktioniert.

3. Handle nicht mit Firmen, die so groß sind, dass du ihnen als Einzelnutzer egal bist.

Even paranoids have enemies

5 August, 2014 (11:56) | Ausland, Wirtschaft | By: Aerar

Die USA sind aus europäischer Sicht nicht nur ohnehin seltsam in vielem, was sie tun, es gibt dort auch genügend Einwohner, dass schnell eine große Gruppe von Spinnern auszumachen ist. Aber nur, weil man obskuren Verschwörungstheorien anhängt, heißt das zumindest nicht automatisch, dass diese komplett unberechtigt sind. In den USA wehren sich zum Beispiel einige Leute massiv gegen den Einbau von Smartmetern in ihre Häuser. Auch, wenn einige ihrer Gründe, wie die Angst vor Strahlenbelastung, vermutlich eher psychologische Ängste sind, gibt es eine Handvoll von handfesten Argumenten, den Einbau solcher Smartmeter nicht nur abzulehnen, sondern massiv zu bekämpfen. So eignen sich diese Strommessgeräte etwa hervorragend zur Überwachung auch einzelner elektrischer Geräte durch Außenstehenden. Zudem sind Kontrolle und Zugriff auf die Stromversorgung mit Smartmetern noch weiter zentralisiert.

Letzteres wird sehr anschaulich in dem Roman “Blackout” (Amazon-Partnerlink) von Marc Elsberg beschrieben, den ich darum sehr zum Lesen empfehlen kann.

Der Himmel über Israel

24 Juli, 2014 (12:49) | Ausland, Innere Sicherheit, Politisches Handwerk | By: Aerar

Nicht nur das Leben auch die Politik scheint mir manchmal wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt, es sei denn man greift gezielt nach dem, was einem am Besten passt. So kritisieren etwa die Mitglieder der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestags die Einstellung der Flugverbindungen zum Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv. Dabei wissen doch selbst Bild-Leser, wie gefährlich es dort zugehen kann. Aber anscheinend noch gefährlicher ist der symbolische Sieg der Hamas-Terroristen, wenn sie es schaffen, Israel zumindest flugtechnisch und teilweise von der Außenwelt zu isolieren. Insofern wird die potentielle Gefahr klein geredet und die Flugreisenden und die Fluggesellschaften werden aufgefordert, sich zur Aufrechterhaltung der Freiheit nicht so anzustellen. Was außerordentlich erschreckend ist. Denn vermutlich ist die reale Gefahr tatsächlich nicht sonderlich groß, in Israel von einer Hamas-Rakete getroffen zu werden. Allerdings sollte man die Gefahr für Zivilisten nicht noch politischen Wünschen bewerten. Schließlich könnte man sonst auch wieder über die Ostgrenze der Ukraine fliegen, um dem Agressor Putin zu zeigen, dass man sich von ihm und seinen Handlangern nicht einschüchtern lässt.

Der andere Aspekt, der mich sehr verwundert, ist das zeitgleiche israelische Bemühen, die Sicherheit des Luftraums hervorzuheben. “Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, wie sicher der Flughafen ist”, sagte Israels Transportminister Israel Katz dem israelischen Rundfunk. Das heißt also, dass Katz entweder auch bereit ist, den Flughafenbesuchern ein hohes Restrisiko zuzumuten oder aber, dass Israel tatsächlich weitgehend sicher gegen die Angriffe der Hamas ist. Das würde die nicht vorhandene Verhältnismäßigkeit des Einmasches in Gaza jedoch noch weiter verstärken. Irgendwie ist Sicherheit wohl immer ein relativer Begriff, selbst wenn man von ein und der selben Sache redet.

Armes Österreich

23 Juli, 2014 (13:42) | Ausland, Recht | By: Aerar

Nachdem ich schon so eine boulevardtaugliche Überschrift für den letzten Artikel gewählt habe, habe ich diesen gleich für unser Nachbarland Österreich nachverwendet. Eigentlich kriegt man in Deutschland von dem, was in Österreich vor sich geht, nicht sonderlich viel mit und man hält die Österreicher mit der hierzulande herrschenden Selbstüberzeugung zuweilen für leicht naiv und unterintellektuell. In ihrem Rechtswesen verhalten sich die Österreicher allerdings zu Zeit tatsächlich recht sonderbar und man fragt sich fast, ob das Land dem Internet den Rang als “rechtsfreier Raum” künftig ablaufen will:

Armes Deutschland

23 Juli, 2014 (13:28) | Soziales, Wirtschaft | By: Aerar

Angeblich 67,60 Euro pro Kopf beträgt der “Zinsverlust” der deutschen Sparer durch die Finanzkrise. Dies ergibt angeblich eine Studie der Allianz. Gemeint ist damit vermutlich die Mindereinnahme durch Zinserträge wegen der geringen Zinssätze, die sich insbesondere aufgrund des Krisenmanagements der EZB massiv gesenkt haben. Die Maßnahmen der EZB wie etwa die Senkung des Leitzinses führen also zu einer geringeren Verzinsung von Sparguthaben und so zu geringen Einnahmen der Sparer. Auf diese Weise zahlen Sparer zu einem großen Teil für die Finanzkrise und die Maßnahmen diese zu bekämpfen.

Dabei halte ich die Zahlen der Allianz für äußerst irreführend, da sich die tatsächliche Betroffenheit nicht nach irgendeinem abstrakten gesamtdeutschen Durchschnitt berechnen lässt. Faktisch sind insbesondere Menschen betroffen, die im Laufe ihres Lebens ein Sparguthaben angesammelt haben, dass zu ihrer Altersvorsorge dienen soll. Haben Sparguthaben vor wenigen Jahren noch problemlos zwei Prozent Zinsen abgeworfen, hat man heute Mühe, sein Geld für ein Prozent Zins anzulegen. Der Zinsverlust beträgt für die meisten Sparer also mindestens einen Prozentpunkt, eher sogar 1,5 – 2 Prozent.

Ein Prozent weniger Zins führt bei einem für die Altersvorsorge gedachten Sparguthaben von 50.000 Euro bereits zu einer jährlichen Mindereinnahme von 500 Euro. Die Zahl von 67,60 Euro halte ich nicht nur für unglaubwürdig. Selbst wenn sie nach einer nachvollziehbaren Rechenmethode korrekt ermittelt ist, verharmlost sie doch die Verluste, die Zigtausende von Kleinsparern erleiden.