Absolut verfehlt

Es ist vollbracht: Bayern hat gewählt. Ganz Bayern? Nein, mit einer Wahlbeteiligung von nur etwa 58% ist die Wahlbeteiligung für eine richtungsweisende Schicksalswahl äußerst gering ausgefallen. Und trotz der intensiven Vorberichterstattung hat sich gerade mal 1% mehr der Wählerschaft zum Urnengang aufgemacht als bei der letzten Landtagswahl. Die übrigen 42% haben sich entschlossen, die stark gefährdete Mehrheit der CSU nicht zu retten.

In der Folge hat die CSU dann auch ihre absolute Mehrheit verfehlt. Und nicht einfach so ein bißchen, sondern um beinahe 7%, was allein in etwa dem Wahlergebnis der FDP entspricht. Insgesamt gingen damit gut 17% des Stimmenanteils verloren:

www.tagesschau.de: Landtagswahl 2008

Auch die SPD hat verloren, wenn auch nur etwa 1%. Gefreut hat sie sich trotzdem. Wobei irgendwie unklar bleibt, warum eigentlich. Folgerichtig müssen auf jeden Fall andere Parteien gewonnen haben und das haben sie auch durch die Bank weg: Die Grünen, FPD, Freie Wähler, Die Linke und auch die anderen Partein, wobei die Grünen wieder und FDP und Freie Wähler neu in den Landtag einziehen.

Mit den neuen Parteien im Landtag verliert die CSU dann auch die absolute Mehrheit der Sitze, was Bayerns SPD-Vize Florian Pronold sogleich zu einem Rechenspiel einer Vierer-Koalition die kleinen Parteien ermutigte. Doch eine solche Koalition würde den Wählerwillen einer Ablösung der Alleinherrschaft der CSU deutlich überinterpretieren. Regieren ja, Alleinherrschaft nein ist wohl eher, was man verständigerweise als Auftrag des Wählers an die CSU lesen kann.

Bleibt die Frage nach dem Bündnispartner, die die SPD sogleich aus dem Rennen wirft, da dieses Anknüpfen an die große Koalition in Bonn wohl das falsche Signal der Konservativen für die nächste Bundestagswahl wäre. Auch das Verhältnis zu den Grünen ist in Bayern wohl nicht zum Allerbesten gestellt und eine Zusammenarbeit innerhalb einer Koalition eher zweifelhaft. Bei den Freien Wählern muss man als Nicht-Bayer vermutlich erst einmal einen Blick auf deren Programmatik werfen, da die Partei außerhalb Bayerns vermutlich weniger bekannt ist. Auch innerhalb Bayern sind mir nicht allzu viele Akzente aufgefallen, so dass die Freien Wähler möglicherweise einen sehr handzahmen Bündnispartner ganz im Sinne der CSU abgeben könnten. Ganz im Gegensatz dazu meldet die FDP, die man als natürlichen Bündnispartner ansehen kann, sogleich einmal handfesten Ärger über den Bundesrat für die Große Koalition in Berlin an, sollte sie mit der CSU koalieren. Dies muss allerdings nicht unbedingt Ungemach für die CDU/CSU bedeuten, denn diese Drohung richtet sich vermutlich ungleich stärker an den anderen Regierungspartner in Berlin, die SPD.

Insgesamt ist die CSU so wohl mit zwei blauen Augen davongekommen. Der erwartete Verlust der absoluten Mehrheit ist zwar deutlich härter ausgefallen als erwartet. Aber eine Koalition, vermutlich mit der FDP, ermöglicht ihr eine stabile Regierung auf wieder irdischem Niveau. Als Bonbon bleibt außerdem, dass auch die SPD Stimmenanteile verloren hat und es die ungeliebte Linke nicht in den Landtag geschafft hat.

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